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Auch im Kreis Unna geht zu Karneval eine „Bürgerwehr“ auf die Straße

Auch im Kreis Unna wollen an diesem Karnevalswochenende Bürger persönlich für Sicherheit sorgen. In Selm hat eine sogenannte Bürgerwehr angekündigt, beim Karnevalsumzug an diesem Samstag sowie bei den anschließenden Feiern mit aufzupassen. Die Polizei nimmt das sehr kritisch zur Kenntnis. „Das Gewaltmonopol hat der Staat“, betonte die Kreispolizeibehörde bereits vorletzte Woche gegenüber unserer Redaktion. Da hatte sich in Hamm eine Bürgerwehr gegründet, die ebenso wie ihr Pendant im Nordkreis Unna am Karnevalswochenende auf die Straße gehen will.

Bürgerwehren, betont die Polizei, haben keine besonderen Befugnisse. Sie dürfen keine Personen kontrollieren, niemanden durchsuchen und generell keine Menschen auf Verdacht festhalten. Mit alldem macht sich ein „Bürgersheriff“ strafbar. In Selm hatten sich Bürger in den vergangenen Tagen über Facebook abgesprochen, an Karnevalszeit gemeinsam für Sicherheit zu sorgen.

Anders als beim Kinderkarneval in Unna (der an Weiberfastnacht fröhlich und ohne Zwischenfälle mit normaler Polizeibegleitung wie immer ablief) will die Kreispolizeibehörde heute beim Umzug in Selm (und weiteren Jeckenveranstaltungen) mit mehr Kräften im Einsatz sein als in den vergangenen Jahren. Wie schon berichtet, werden landesweit auch Polizei-Azubis eingesetzt, die den Wachdienst zusammen mit ihren sogenannten Tutoren ergänzen.

An Karneval hat die Polizei landesweit vor allem mit Körperverletzungen (Schlägereien) und übermäßigem Alkoholkonsum zu tun. Nach den Vorfällen in der Silvesternacht (und jetzt auch wieder beim Weiberkarneval) in Köln sind die hiesigen Beamten auch für Belästigungen und sexuelle Übergriffe sensibilisiert.

Stichwort Bürgerwehren: Sie machen sich strafbar, warnt die Polizei Hamm. Wer systematisch Streife gehe und Mitbürger kontrolliere, schaffe Unruhe und behindere die Arbeit der Beamten. Gegen illegale Wachtrupps will die Polizei deshalb konsequent vorgehen, wenn nötig mit Strafanzeigen wegen Amtsanmaßung.

Einer unser Leser, aktiver Polizeibeamter, wies uns indessen auf die genaue Gesetzlage hin. In Paragraph 127 Abs. 1 Strafprozessordnung (StPO) heißt es:

 „Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen.“

Kommentare (7)

  • Martin Schonert via Facebook

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    Ach, dafür sind wohl genügend Einsatzkräfte vorhanden!?

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  • Stefanus Maxus via Facebook

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    Bei welcher „Arbeit“ will man denn die Polizei behindern? Beim Bltzmarathon evtl.??? Gewaltmonopol des Staates? Welcher? Der IS? Vereinigte Libanesishe Clanstaaten? Nichts gegen die einzelnen Polizeibeamten/innen. Aber wenn diese Organisation in ihrer Gesamtheit nur annähernd funktionsfähig wäre, gäbe es noch nicht mal den Funken einer Idee, Bürgerwehren aufzustellen!

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    • wutbürger fürst

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      Richtig, Stefanus Maxus, ich mußte auch lachen, als ich las, „Das Gewaltmonopol hat der Staat“.
      Die haben es immer noch nicht kapiert, daß es damit vorbei ist, daß das allenfalls noch für besonders biedere Bürger und auf dem Papier gilt.
      „Das Gewaltmonopol hat der Staat“, muß es aber erst einmal wiederherstellen!

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  • petter Uhlenbusch

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    Vielleicht suchen die Menschen nur die Nähe zu einander, einfach zu wissen das man mit seiner Ohnmacht gegenüber dem Staat nicht alleine da steht. Das es andere gibt die genau so denken. Die Menschen gleich einem „rechten Hintergrund“ zuordnen zu wollen ist blanke Hysterie!

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    • petter Uhlenbusch

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      Mann (oder Frau) nimmt nur die ehrenhaften Verpflichtung gegenüber der BRD wahr: Den deutschen Staat vor Schaden bewahren. Was sollte daran verwerflich sein, im Falle einer Beobachtung von verbrecherischen-Aktivitäten die Polizei herbei zu rufen? Lasst doch die , die es auf sich nehmen, nachts durch die Gegend zu laufen und beobachten was abgeht, machen. Schaden kann das doch nicht. Die Polizei ist doch letztendlich dankbar für Hinweise die zur Aufdeckung einer Straftat führen. Jedenfalls könnte ich, hier in Unna-Massen, in dem Wissen, das die Ganoven keinen Freifahrtschein mehr haben, wieder beruhigte schlafen. Dafür wäre ich auch bereit, hin und wieder, einen Teil meiner Nachtruhe der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

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  • petter Uhlenbusch

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    Ja, ich glaube, … nein, ich weiß das sich die Menschen, sobald sie sich schutzlos fühlen, zusammendrängen… ein normaler Selbsterhaltungstrieb. Wie schon unsere Urahnen, schliesst man sich zusammen um der Gefahr zu begegnen… So zumindest meine Interpretation zum Thema Bürgerwehren… das hat mit links, oder rechts nichts zu tun. Man(n) fühlt sich wieder als Mensch, auch angreifbar…verletzlich, aber wieder gefragt. Ich glaube darauf haben viele Menschen (Männer wie Frauen) lange gewartet… endlich wieder einmal mal (Ur) Mensch zu sein… die Angst vielleicht… hautnah zu spüren…das Gefühl endlich etwas für die Gemeinschaft zu einzubringen ….und am Ende Glücklich und Zufrieden zu sein, das man etwas geleistet hat. Nur so ein Gedanke von mir…

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