Rundblick-Unna » Artmeier tritt aus SPD aus – Landespartei empfiehlt ihm ein Gespräch mit sich selbst

Artmeier tritt aus SPD aus – Landespartei empfiehlt ihm ein Gespräch mit sich selbst

Der Austritt des seit-Kurzem-nicht-mehr-Vorsitzenden der SPD Mühlhausen-Uelzen, Frank Artmeier, aus der SPD nimmt schräge Züge an. Das  Landesbüro Dortmund quittierte seine Parteikündigung mit einem peinlich wirkenden Standardschreiben der Servicestelle:

In diesem wird dem abtrünnigen Mitglied mahnend nahe gelegt, seine Entscheidung eingedenk der „Grundwerte der Sozialdemokratie“ etc. nochmals gründlich zu überdenken  – was angesichts der Gründe für Artmeiers Austritt schon absurd genug ist, denn er sieht ja gerade die Grundwerte der Sozialdemokratie durch die Kündigungscausa Risadelli mit Füßen getreten: Im Abschlusssatz kommt es aber noch besser. „Für ein Gespräch“, legt ihm das Landesbüro wärmstens ans Herz, „steht ihnen der Vorsitzende des OV Mühlhausen-Uelzen, Frank Artmeier… “ (folgt Adresse und Telefonnummer), „jederzeit zur Verfügung.“

Das anempfohlene Selbstgespräch hat der zum Austritt entschlossene Noch-Sozialdemokrat artig geführt und sich selbst davon überzeugt: Der Entschluss sei haargenau der Richtige. Eine zusätzliche Unterredung mit dem (jetzt tatsächlichen) neuen Ortsvereinsvorsitzenden Philipp Kaczmarek (im Bild der Wahlabend mit der Stabübergabe) erübrigt sich daher für dessen Vorgänger.

Den per Post eingetrudelten „Bettel“brief seiner Nochpartei quittiert Artmeier mit triefendem Spott. „Da gibt die SPD sich ja richtig Mühe,  meinen Austritt zu verhindern…. Man achte auf den letzten Satz!!!“ ABER: Er hat es getan.

„Also ich habe mit mir gesprochen. Es bleibt dabei, konnte mich selbst nicht überzeugen, in einer Werte verachtenden Rent-a-Sozi-Partei zu bleiben…“

Das SPD-Landesbüro NRW drückt in seinem Schreiben „aufrichtiges Bedauern“ über die Austrittserklärung aus und beschwört sein Nochmitglied, sich zu besinnen und „einen weiteren Augenblick über politische Ideale und Möglichkeiten ihrer Umsetzung nachzudenken“.

„Freiheit und soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung, diese Werte sind Grundlagen unserer Politik“, lautet die Beschwörungsformel in dem einseitigen Schreiben. Zu Recht werde das 20. Jahrhundert als „sozialdemokratisches Jahrhundert“ bezeichnet. „Unser Land steht vor großen Aufgaben… Wieder geht es darum, eine neue Epoche nach sozialdemokratischen Vorstellungen und Zielen zu gestalten.“ Ein mahnender Zeigefinger lugt durch die Zeilen: „Wir möchten Sie bitten, auch zu überlegen, wem ihr Austritt nutzen und wem er schaden würde. Darüber freuen können sich nur die, die an einer Schwächung der Mitgliederpartei SPD interessiert sind. Schaden aber würde Ihr Austritt sicherlich der SPD und der von ihr vertretenen Grundwerten.“

Von diesen „Grundwerten“ hat sich die SPD nach Artmeiers Überzeugung faktisch verabschiedet – auch, aber nicht ausschließlich durch die „Causa Risadelli“.

 

 

Kommentare (6)

  • Helmut Brune

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    Auch hier sieht man wieder die Folgeschäden, die dieser dumme und eingenmächtige Schritt des Fraktionsvorsitzenden hat. Bundesweit wird es wohl noch viel mehr von solchen Fällen von Machtsmißbrauch geben, die aber wahrscheinlich die lokalen Grenzen nicht überschreiten. Die SPD arbeitet hart daran, ihr Gesicht zu verlieren.

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  • fürst

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    Der Entschluss ist haargenau richtig.

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  • Hanno

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    Glückwunsch Herr Artmeier, dass Sie aus dieser inkompetenten Partei ausgetreten sind !!!

    So ein Schreiben ist dann nur ein kleiner Beweis dafür, was für einen Stellenwert die Mitglieder haben und welche Mühe man sich bei einer Ansprache an ein Mitglied gibt…..

    Wenn die so weiter machen, können die bald nur noch !!! selbstgespräche führen….. :o))) Da kann sich Herr Artmeier ja noch trösten, dass er für sein Selbstgespräch nicht noch was zahlen musste (Rent a Sozi).

    Mein Gott, das ist alles so peinlich und grotesk mit der SPD, nicht nur in Unna.

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  • Margarethe Strathoff

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    ich musste wirklich herzhaft lachen. Aber schon beschämend und man wird nur als langjährige Mitgliedesnummer gesehen. Hier sollten sich mal die Absender des maschinellen Briefes Gedanken machen, statt nur die Entertaste zu bedienen. Der Brief ist sehr gut verfasst, aber unter Mitglieder wäre der persönliche Kontakt angemessen gewesen.

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  • Mike

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    Wenn de denkst peinlicher geht nimmer…

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  • S. Maritz

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    So zersetzt sich die einstige Volkspartei SPD nach und nach von innen.

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