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Angst um die Fliegenkirmes: „Sie gehört zu Fröndenberg – doch es muss sich einiges ändern“

Schon vor dem opulenten Feuerwerk, das im komischen Gegensatz irgendwie nicht recht zur Winzigkeit des Events passen wollte, geisterte am Freitag das Spottwort „Fliegenschisskirmes“ durch die sozialen Netzwerke. Denn Fröndenbergs Traditionsjahrmarkt war durch multiple Absagen empfindlich geschrumpft worden. Kein Musik-Express, kein Kettenkarussell.

Zum Lachen fanden diese „Fliegenschissgröße“, sprich Winzigkeit eindeutig nicht die Traditionsschausteller, die teils seit Jahrzehnten treu für Fröndenberg die Fahne hochhalten. „Wir haben zum ersten Mal richtig Angst um die Kirmes“, gestand am aprilschaurigen Samstagnachmittag Eveline Alexius am Autoscooter, mit dem sie im 15. Jahr die Fliegenkirmes bespaßt.

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Sorgen sich um die traditionsreiche Fliegenkirmes: Nadine Luxem (li.), Eveline Alexius.

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Trotz des launischen Wetters waren die flotten Autochen dicht von juchzendem Jungvolk belagert: „Man merkt, dass wir in diesem Jahr das einzige Fahrgeschäft sind“, fügte Eveline Alexius erklärend hinzu, „für uns ist das gut, aber für die Kirmes tödlich. Noch so ein Jahr – und das war es.“

Das darf nicht passieren, beschwört dringlich Nadine Luxem, „die Fliegenkirmes ist doch eine Tradition!“ Schon als Kind besuchte die Iserlohnerin Jahr für Jahr im Herbst die Fliegenkirmes, brachte später ihr eigenes Schaustellergeschäft mit, das Entenangeln. Der harmlose Spaß erfreut sich erstaunlicherweise auch im High Tech- und Internet-Zeitalter weiterhin reger Beliebtheit; „das ist toll, ja“, nickt Nadine Luxem stolz lächelnd. Sie hofft auch aus ganz persönlichen Gründen auf ein Fortbestehen der putzigen Fröndenberger Kleinstadtkirmes. „Da hängen 30 Jahre Erinnerungen dran.

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Nostalgie schweißt auch Rüdiger Hornig mit seinem Süßwarenstand an die Fliegenkirmes, „schon meine Oma ist hergekommen, das verbindet. Und natürlich hat die Kirmes eine Zukunft“, betont der Dortmunder in beruhigender Gewissheit, „sie gehört zu Fröndenberg. Aber im nächsten Jahr muss sich einiges ändern. Wir haben uns mit der Stadt schon besprochen, dass verschiedene Änderungen greifen müssen.“

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Dazu gehört: Die Schausteller müssen früher auf ihre Stellflächen dürfen, um nicht mehr in letzter Sekunde mit dem Aufbau beginnen zu dürfen. Und dazu müssen die Anwohner – logisch – früher ihre Parkplätze räumen als erst wie bisher um 18 Uhr am Mittwoch. „Mittwochabend startet der Aufbau und am Freitagnachmittag die Kirmes. Das ist für größere Fahrgeschäfte ganz knapp, einigen zu knapp“, weiß Rüdiger Hornig. Er persönlich hat dieses Problem nicht mit seinem kompakten Popcorn- und Lebkuchenherzenbulli, doch er verfügt über jahrzehntelange Schaustellererfahrung. Was sich noch verbessern muss, fügte zuvor Eveline Alexius an: „Das Marketing! Von der Fliegenkirmes erfährt man in Schaustellerkreisen nur durch Hörensagen. Die Stadt muss überregional für die Kirmes werben, gerade auch in Schausteller-Fachpublikationen.“

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Flächen daher früher freimachen – einen halben oder auch einen Tag länger auf andere Parkplätze auszuweichen müsse allen Anwohnern zuzumuten sein, findet Rüdiger Hornig, „sofern ihnen nur ein bisschen an ihrer Kirmes liegt.“ Generell hat er schon diesen Eindruck. „Die Fröndenberger sind bereit, auch etwas Geld hierzulassen. Gerade am Sonntag, an dem zusätzlich die Geschäfte geöffnet sind.“

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Von einer ganz und gar angenehmen Seite habt Cathrin Alberts von „Biermanns Baby Cars“ an diesem Kirmeswochenende die Fröndenberger kennengelernt; sie ist der Stadt und ihren Menschen ganz unbedarft begegnet, da das Kinderfahrgeschäft aus Gelsenkirchen erstmals mit von der Partie ist, ganz kurzfristig engagiert, berichtet Cathrin Alberts, „als plötzlich so viele Absagen kamen.“

Von dem lauschigen Kleinstadtjahrmarkt ist die Großstädterin richtig angetan. „Klar, es könnte mehr los sein“, meint sie. „Aber das Erste, was uns aufgefallen ist, waren die sehr angenehmen Jugendlichen – wohlerzogen, zurückhaltend, ganz anders als bei uns. Die Leute sind insgesamt viel höflicher.“

Auch der Übersichtlichkeit des Platzes kann die junge Frau mit Crange-Megakirmeserfahrung viel abgewinnen: „Wir haben mit unserem Kinderfahrgeschäft auf großen Kirmessen oft das Problem, dass es sehr gedrängt zugeht und somit nicht ganz ungefährlich für die Kinder ist. Oder die dröhnend laute Musik. Hier hören die Kinder ganz in Ruhe ihre eigene Musik und haben ungefährdet ihren Spaß.“

Ob sie, nachdem sie in diesem Jahr als „Notnagel“ eingesprungen sind, wieder auf der Fliegenkirmes mitmachen würden? Gar keine Frage – „Auf jeden Fall!“

Am verkaufsoffenen Sonntag, 20. 09., laden flankierend die Geschäfte der Innenstadt – von 13:00 bis 18:00 Uhr – zum entspannten Bummeln und Einkauf ein. 
Der familienfreundliche Kirmesmontag lockt zum Abschluss nochmals Groß und Klein mit besonders günstigen Preisen und speziellen Angeboten.

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 In der Facbookgruppe „Du lebst schon lange in Fröndenberg, wenn…“ liefen und laufen Dutzende Kommentare ein – hier ein Auszug (mit Einverständnis der Poster):

Matthias Hubrich Die muß einfach bekannter werden und bald kann man schreiben: Fröndenberg hatte eine Fliegenkirmes.

  • Andre Sander Nur das Marketing wird es nicht machen. Hier muss grundlegend umgedacht werden. Ich habe da einige Ideen zu und die werden auch den entsprechenden Gremien zugeführt. Fakt ist, die Schausteller müssen entlastet werden damit wieder mehr kommen und dann wird auch mehr Publikum komnen. Auch muss die Aufteilung der zur Verfügung stehenden Fläche neu gestaltet werden.
  • Uta Julius Ein Mittelaltermarkt?…„grin“-Emoticon
  • Andre Sander Ich bin für alle Vorschläge offen. Ich nehme das gerne auf.
  • Uta Julius Bei der Kettenschmiede bietet es sich doch wahrlich an: Man kann ja die paar Schausteller, die sich noch nach Fröndenberg verirren, an Markt belassen und zusätzlich Mittelalter-Schausteller so wie in Menden im Park platzieren
  • Andre Sander Wir wollen ja ein wachsen generieren nicht bei den jetzigen Stand bleiben. Aber die Idee mit dem Mittelaltermarkt, werde ich mit aufnehmen. Aber einen anderen Termin würde ich da vorziehen.
     Sascha Herrmann Andre Sander wirf nur mal einen Blick in unseren tollen Imagefilm. Das was der verspricht und was der Realität entspricht geht so weit auseinander das ich mich als Besucher betrogen fühlen würde. Fröndenberg vergreist langsam im Rathaus. Zu viele LeersMehr anzeigen
  • Andre Sander Da gebe ich dir vollkommen recht. Meiner Meinung nach liegt es daran, daß im Rathaus viel schleifen gelassen wird, aber nicht alles.
  • Jörg Grunow Ich bin gebürtiger Fröndenberger und kann mich noch erinnern als ich noch klein war war die Fliegenkirmes wesentlich größer da war die Alleestraße bis Kessler und die Karl Wild schütz Straße voll mit Buden und Karussels und da war sogar ein Riesenrad.Mehr anzeigen
  • Uta Julius Ich war gestern auf der Kirmes-habe also meine Schuldigkeit getan..„wink“-Emoticon Ich kann das Argument „Kommt alle, dann ist auch was los und die Schausteller haben was davon“ sogar nachvollziehen. Die Frage ist aber „Warum sollte ich dahin gehen?“ Aus Tradition? Auf Traditionen kann man (also die Planer) aber nicht ausruhen. Für Jugendliche und Junggebliebene ist kein Fahrgeschäft dabei bis auf den Autoscooter; 2x Wurststände (natürlich habe ich den Gesangsverein unterstützt); 2x Taschenverkäufer, Losbuden..kurz: doch recht langweilig. Das Problem ist doch schon seit Jahren bekannt und statt das man etwas dagegen macht, habe ich den Eindruck, es wird immer schlimmer.
  • Uta Julius Die Kirmes alleine lockt keinen…Weder Einheimische noch Leute von außerhalb. Entweder muss man sie größer machen-sowohl räumlich mit Ausnutzung des Parks als auch mit Fahrgeschäften- oder man bindet sie an eine ander Veranstaltung: Kirmes am Markt- Herbstfest im Park
  • Silvia Rinke Koppelung mit dem Bauernmarkt?
  • Jörg Grunow Wie gesagt Silvia dieses Jahr ist extrem die Kirmes verkleinert worden wo ich heute und gestern drüber ging und gestern das Feuerwerk angeguckt hatte war das Feuerwerk am besten das andere auf der Kirmes da hatte ich gedacht das kann nicht wahr sein kein Kettenkarrussel und kein Musikexpress mehr und das über Kopf Karrussell ist auch nicht mehr da.
  • Thorsten Fabian Die Zeiten wandeln sich, die Menschen sind einerseits mobiler und erreichen Kirmeseses (oder Kirmessen? Kirmesse?… Ich meine mehr als eine Kirmes) Mit völlig anderen Dimensionen, z.B. Soest, Herne, Düsseldorf. Und andererseits steigt auch die ErwartuMehr anzeigen
  • Andre Sander Das hatte ich schon in einen andere Thread geschrieben. Einfach im Rathaus melden, Telefon, Mail oder persönlich oder bei dem Politiker seines Vertrauens.
     
    Isj DamBmann Ich habe mich mit 2 schaustellern unterhalten und die wollen sogar Samstag schon abbauen (taschenstand) ! Lohnt sich nicht sagen sie. Hier kauft keiner da viele kein Geld haben war die Aussage!
  • Klaus Boldt Das glaube ich wars mit der kimes frondenberg! !! Schade!!!! Stadt hat verschlafen, was man enden könnte! !!
  • Patrick Dornieden Ganz im ernst, den verkaufs offenen Sonntag…..wo die Geschäfte eh 6 Tage in der Woche auf haben, kann man wegen mir auch wegfallen lassen. Den irgend einen Kompromis muss man finden, sonst wird das eh nix „grin“-Emoticon
  • Martin Gerdes Wenn ich mir die Kommentare hier – und in anderen Threads – durchlese, bin ich wirklich erschüttert. Angestellte der Stadt, Schausteller und auch zukünftige (jetzt wahrscheinlich nicht mehr) Investoren machen das auch. Macht sich von euch irgendeiner Gedanken, wie Demütigend Ihr in den letzten Tagen sprecht? Als Angestellter hätte ich seit langer Zeit keine Lust mehr, mich für die Kirmes einzusetzen. Als Schausteller würde ich gar nicht mehr kommen. Als Investor würde ich das Stadtgebiet großräumig meiden. Wißt Ihr eigentlich, was diese Menschen für euch machen? Die Angestellten machen – in Ihrer knappen Zeit – alles was möglich ist und dürfen sich als Unfähig hinstellen lassen. Den Schaustellern wurde einmal geraten, mehr zu Investieren. So ein sch…. Fahrgeschäft kostet mal eben eine 7-Stellige Summe – im höheren Bereich, versteht sich.Sie müssen einen Fuhrpark und Angestellte bezahlen. Für die Familie ist das mit Sicherheit auch nicht angenehm, keinen „festen“ Wohnsitz zu haben. Die Investoren wollen zwar nur Geld – was sie auch kriegen. Steuerliche Abschreibngen, Beihilfen und so weiter. Ich war selber EINMAL auf einem Fest in Fröndenberg mit meinem Betrieb tätig. Und ich muß einfach sagen: Nie wieder! Es wird wirklich alles zerredet und schlecht geredet! Die Organisation war nicht das schlimmste, obwohl die – gelinde gesagt – sehr Verbesserungswürdig war. Das schlimmste war das Publikum – was einem noch die Preise diktieren will und an allem – wirklich allem – rummäckelt. Frei nach dem Motto: Wenn ich kein Haar in der Suppe finde, bringe ich meine eigenen mit. Wenn ihr etwas zu mackern habt, geht bitte in das Rathaus. Geht zu dem zuständigen Angestellten und sagt ihm das ins Gesicht. Geht dann weiter zum Bürgermeister und sagt ihm das ebenfalls ins Gesicht! Aber nicht hinter dem Rücken im vermeintlichen Schutz der Anonymität. Vor allem bringt in diesem Moment den Menschen die Gelegenheit zum Gespräch, bietet eure Mithilfe an, bringt Verbesserungsvorschläge ein. PS: Bei der oben erwähnten Veranstaltung – und nein, es war nicht die Stadt – habe ich dem entsprechenden Verantwortlichen das auch ins Gesicht gesagt. Habe auch Verbesserungsvorschläge gemacht und ein Gespräch geführt.

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