Rundblick-Unna » Angetreten, um „Wir-Fraktionschef“ und „Teamplayer“ der SPD zu sein

Angetreten, um „Wir-Fraktionschef“ und „Teamplayer“ der SPD zu sein

Er trat an, um ein „Wir-Fraktionschef“ und „Teamplayer“ zu sein. Das war Volker Königs erklärter Vorsatz,  als er vor etwas mehr als einem Jahr dem plötzlich verstorbenen Michael Hoffmann als Fraktionsvorsitzender nachfolgte. Hoffmann war bekannt dafür gewesen, öfter mal auf eigene Faust politische Vorstöße zu unternehmen, die selbst seine Fraktionskollegen und Parteifreunde überraschten; und es gab bei allen politischen Erfolgen auch manchen Hauskrach in Michael Hoffmanns Ära. Doch kein Rumpeln und kein Ärger waren mit dem vergleichbar, was sich seit zwei Wochen in Unnas größter Ratsfraktion und Mehrheitspartei abspielt und sie inzwischen akut zu spalten droht.

Ausgelöst durch eine Entscheidung, die „Wir-Fraktionschef“ Volker König offenbar im Alleingang bzw. im „innersten Zirkel“ traf und die sich nun zum Flächenbrand entwickelt: die seinerzeit noch von Michael Hoffmann eingestellte Fraktionsgeschäftsführerin Bärbel Risadelli fristlos hinauszuwerfen. Nicht hauptsächlich die fragwürdigen Gründe (ungenehme E-Mail-Weiterleitung) lassen seither die Wellen hochschlagen, sondern die Art und Weise, wie ein sozialdemokratischer Vorsitzender über seine Fraktion hinweg vier Wochen vor Weihnachten eine fast 60jährige gewissenhafte Mitarbeiterin und obendrein Parteifreundin (Bärbel Risadelli ist stellv. Ortsvereinsvorsitzende von Mühlhausen) vor die Tür setzt.

Was ist passiert? Was treibt diesen Fraktionsvorsitzenden um, der als Teamplayer antrat und heute den Beinamen „Sonnenkönig“ trägt?

– Im Folgenden noch einmal unser Interview mit Volker König, das wir anlässlich seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden am 14. November 2014 auf Rundblick veröffentlichten. Damals sprach König noch mit unserer Redaktion. Schon wenige Wochen später wurden Presseanfragen nicht mehr beantwortet.

SPD Fraktionsvorstand

Volker König mit seinen drei Stellvertreterinnen. Zwischen dem Fraktionsvorsitzenden und Oberstadt-Vorsitzenden Ingrid Kroll (2. v. li.) gilt das Verhältnis als zerrüttet, dasselbe gilt für Gudrun Friese-Kracht (re.) aus Massen, die sich in einer persönlichen Erklärung vehement von der Art und Weise der Risadelli-Kündigung distanziert und sich weitere Schritte vorbehält. Anja Kolar (li.), Lünerns Ortsvereinsvorsitzende, gilt hingegen als Volker Königs Vertraute.


„Wir“-Fraktionschef, Teamplayer – Volker König: „Will nicht Michael Hoffmann ersetzen“

Herr König, die Frage, die gleich kommen muss – an Michael Hoffmanns Nachfolger…

Volker König: … ja klar, es ist die nach den großen Fußstapfen. Ich muss sagen: Ich sehe das nicht so. Ich will diese großen Fußstapfen gar nicht ersetzen. Sie sind riesig, Michael war  omnipräsent in der Politik. Ich werde definitiv nicht versuchen, einen Michael Hoffmann zu ersetzen.

Sie haben schon deutlich gemacht, dass Sie seinen Führungsstil nicht kopieren werden. Michael Hoffmann hat, was bekannt ist, häufig mal Alleinentscheidungen getroffen. Wie sieht ein Fraktionsvorsitzender Volker König seine Rolle?

Volker König: Ich sehe mich eher als Moderator und Teamplayer. Seit ich Stadtverbandsvorsitzender bin – es sind jetzt zwei Jahre – habe ich immer versucht, die Partei zu einen. Grabenkämpfe hinter den Kulissen gibt es immer mal… und dass kontrovers diskutiert, auch mal gestritten wird in einer Partei, macht demokratische Meinungsfindung aus und ist auch wichtig, um eine Partei lebendig zu halten. Bei alldem war und ist aber immer mein Ziel, dass sich die SPD als Einheit sieht. Man diskutiert, man zofft sich auch mal – und dan  man sich auf eine gemeinsame Position und trägt sie so auch nach außen.

Haben Sie sich als stellvertretender Fraktionsvorsitzender auch mit Michael Hoffmann gestritten?

Volker König: Ja, natürlich. Wir haben häufig kontrovers diskutiert. Kontrovers – aber immer an der Sache orientiert. Michael war ein ganz anderer Typ, als ich es bin. Ich habe ihm immer gesagt: Michael, ich bin dir ein loyaler Vize. Beteilige mich. Nimm mich mit. Das hat funktioniert.

Wie werden Sie die Lücken, die Michael Hoffmanns Tod politisch gerissen hat, füllen? Springen Sie in alle selbst hinein?

Volker König: (mit Nachdruck den Kopf schüttelnd) Zwei Dutzend Arbeitskreise und Ausschüsse bzw. Ausschussvorsitze kann man nicht ersetzen. Das kann kein Mensch. Bei Michael Hoffmann ist das in 20 Jahren gewachsen. Mir geht es darum, diese Vielzahl an Aufgaben auf verschiedene Schultern zu verteilen.

Sind Sie eher ein „Wir“-Fraktionschef?

Volker König: Wenn man so will… ich werde eher auf Teamarbeit setzen. Natürlich werde ich mich sowieso immer eng mit meinen drei Stellvertreterinnen abstimmen, Anja Kolar, Gudrun Friese-Kracht und Ingrid Kroll. Ich werde aber auch nicht davor zurückschrecken, auch mal „Basta!“ zu sagen, wenn es notwendig wird. Ein Fraktionsvorsitzender vertritt die Fraktion nach innen und nach außen.

Die vermutlich größte Lücke hinterlässt Michael Hoffmann bei der Kultur. Sie war ihm Herzensangelegenheit. Fast ein Vierteljahrhundert leitete er den Kulturausschuss. Sehen Sie die Gefahr, dass das Kulturelle jetzt personell verwaist, wo er nicht mehr da ist und sich kümmert? Zumal es seit Axel Sedlack keinen eigenen Dezernenten mehr gibt und Uwe Kornatz, der die Kultur neben seinen Schulthemen mitbetreut, im Frühjahr auch noch geht?

Volker König: Die Gefahr, dass der Themenbereich verwaist, sehe ich nicht. Die Fraktion wird sich weiter ums Kulturelle kümmern. Ob das mehrere tun werden und wie der Kulturausschussvorsitz neu besetzt wird – das werden wir alles in ca. drei Wochen allen übrigen Posten- und Ämterfragen im Paket klären.

Behalten Sie den Stadtverbandsvorsitz?

Volker König: Ich bin der Meinung, dass es zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind. Fraktions- und Parteiführung sollten nicht in einer Personalie vereint sein.

Wann wird über Ihre Nachfolge im Parteivorsitz entschieden?

Volker König: Nicht vor Weihnachten und auch nicht mehr in diesem Jahr. Wir haben nach dem Neujahrsempfang unseren Parteitag, im Frühjahr, voraussichtlich im März. Da werden wir das ganze Paket umstrukturieren. Bis dahin schauen wir, wer es machen will und kann. Unser Stadtverband hat immerhin 850 Mitglieder.

Definieren Sie mal den Unterschied zwischen der Partei- und der Fraktionsführung.

Volker König: Die Partei hat es einfach: Sie kann Dinge fordern. Die Fraktion ist gehalten, das in ihren Augen Beste für den Bürger möglich zu machen. Dazu muss sie in den Ausschüssen mit immerhin sechs anderen Fraktionen einen Konsens finden. Die Partei darf wollen – die Fraktion muss möglich machen.


Links zu unseren weiteren Berichten:

http://rundblick-unna.de/spd-gewerkschafter-dreisbusch-koenig-hat-mit-kuendigung-fraktionsrechte-beschnitten/

http://rundblick-unna.de/angetreten-um-wir-fraktionschef-und-teamplayer-der-spd-zu-sein/

http://rundblick-unna.de/koenigs-risadelli-rauswurf-spd-fraktion-haelt-deckel-auf-brodelndem-topf/

http://rundblick-unna.de/genossen-werfen-muehlhausens-spd-chef-wegen-offener-kritik-parteischaedigendes-verhalten-vor/

http://rundblick-unna.de/faust-ritt-in-eigener-regie-des-spd-koenigs-risadellis-anwalt-reicht-klage-gegen-kuendigung-ein/

http://rundblick-unna.de/spd-fuer-koenigs-unsoziales-verhalten-in-kollektivhaft-austrittsdrohungen-und-scharfe-worte-einer-betriebsraetin/

http://rundblick-unna.de/risadelli-rauswurf-spd-chef-muehlhausen-spricht-von-skandal-fundamentale-grundsaetze-der-sozialdemokratie-verletzt/

http://rundblick-unna.de/skandal-rauswurf-der-spd-fraktionsbuerochefin-war-verbotener-mailverkehr-ein-grund/

http://rundblick-unna.de/erdbeben-in-spd-unna-fraktionsgeschaeftsfuehrerin-baerbel-risadelli-fristlos-hinausgeworfen/

 

 

 

Kommentare (18)

  • Annette Buchholz via Facebook

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    wenn es nicht so traurig wäre, würde ich vor lachen unterm tisch liegen. so einen nachfolger hat mein lieber freund michael echt nicht verdient :-(

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  • W. FROHNES

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    Ich hatte mir vorgenmmen, diese Meinungsäußerunen / Kommentatere im RUNDBLICK-UNNA nicht mehr zu lesen. Das ist mir nicht ganz gelungen, ich habe dennoch mal wieder in die „Kommentare/Meinungsäußerungen“ hingeschaut. Kurz gesagt – es ist zum ko….zen.
    Es ist schlimm, wie die Vorträge unsachlich und tendentioziös von der Pressse legalisiert veröffentlich werden. Sicher haben wir eine Meinungsfreiheit. Aber wir haben auch unter zivilisierten Menschen eine (vermutliche) gute/hohe Steitkultur. Diese fehlt m.E. in Unna(RUNDBLICK-Unna). Nach meinem Dafürhalten auch der Redaktinon der „RUNDBLICK-UNNA“.
    Meine Frage: Sind die Redakteure als Aufstacheler an der Schreibe oder aber als neutrale Informationsbringer auf dem Screen?

    MfG

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  • Wolfgang

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    Wie wäre es denn mal mit einem Deutschkurs Herr Frohnes?

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  • Hans Bergmann

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    Die Berichterstattung hier ist ja wohl neutral, wie es sich gehört.
    Und für Kommentare ist ja wohl jeder einzelne Kommentator zuständig.
    Alles in einen Topf zu werfen und die Redaktion verantwortlich zu machen ist von Frohnes unfair eingeordnet.
    Ihre letzten Kommentare sind tendenziell nur in eine Richtung. Und gerechterweise müssen für die Objektivität alle Seiten betrachtet werden.
    Soviel Zutrauen können Sie zu den Lesern haben, die sich sicherlich alle ihre eigene Meinung bilden können, nach der Lektüre aller Kommentare zu einem Bericht. Auch in anderen Medien können Sie übrigens die Bestätigung für die wörtlichen Stellungnahmen finden.
    Ich habe den Eindruck, dass Frohnes den Rundblick für Nachrichten kritisiert, die ihm nicht passen….da kann ich nur sagen: das ist dann persönliches Pech !

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  • Ralf R.

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    Amen W. Frohnes! Sie sollten Ihre eigenen Vorsätze (Siehe erster Satz Ihres „Schreibens“!) zukünftig wirklich einhalten. Ihre moralisierenden Predigten braucht hier wirklich niemand.

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    Ralf R. kommentiert via Rundblick-Unna:

    Amen W. Frohnes! Sie sollten Ihre eigenen Vorsätze (Siehe erster Satz Ihres „Schreibens“!) zukünftig wirklich einhalten. Ihre moralisierenden Predigten braucht hier wirklich niemand.

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  • Friedhelm K

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    Hr Frohnes scheint ein Anhänger von Hr König zu sein. Sein Schreibstil lässt erkennen, dass er auch wohl ehemalige Ratsmitglieder unsachlich angreift und verhöhnt, das spricht für einen sehr schlechten Stil. Gilt auch für Sie, Hr Frohnes, nur blinder Gehorsam? Dann passt dieses für die Gefolgschaft von Hr König. Das macht mich wirklich wunderlich. Was ist bei Euch in Unna los? Gab es denn jetzt mal eine demokratische Abstimmung unter den Genossen? Oder soll jeder Kritiker verhöhnt, weggebissen oder sogar aus der Partei ausgeschlossen werden? Herr Frohnes sind Sie gar SPD Mitglied und erwägen Sie eine Stellung bei Hr König einzunehmen? Eine ist zur Zeit vakant.

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    • Martina Tsatsoulis via Facebook

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      Danke Friedhelm K, da wurde mir aus der Seele geschrieben!

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    • Martina Tsatsoulis via Facebook

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      Allerdings halte ich es für wichtig das auch evtl. Anhänger des H. Königs zu Wort kommen und sich auch melden. Denn so viele scheinen es ja nicht zu sein. Nicht das es ungerecht wird oder wirkt…

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Ja, das halten wir auch für wichtig, Martina Tsatsoulis. Diese Entscheidung obliegt aber jedem und jeder selbst. Wenn Presseanfragen nicht beantwortet werden, haben wir das zu akeptieren.

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  • Helmut Schön

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    Friedhelm K sie sprechen mir aus der Seele. Herr Frohnes ist in den vergangenen Jahrzehnten durch unsachliche Kritik an politisch tätigen Personen bei vielen bekannt. Er ist ein Fähnchen im Wind und greift sich wahllos Personen des öffentlichen Lebens heraus, um Dreck über sie auszukübeln. Da war schon fast jeder mal dran.

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  • Franz K.

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    Ach Frohnes! Kenne ich auch. Jeder kennt ihn. Jeder spricht mit ihm, aber keiner mag ihn.

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  • Wilfried S.

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    Friedhelm K., für die Stellenvakanz bei der SPD kommt Herr F. nicht in Frage. Als Parteisekretär muss man die deutsche Sprache sicher in Wort und Schrift beherrschen.

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  • Andy Fischer via Facebook

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    Trau keinem Fuchs auf Grüner Heid und keinem Politiker bei seinem Eid.

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