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„Am Geld wird es nicht scheitern“: SPD Fröndenberg verteidigt trotz Finanznot Kulturprojekte mit Strahlkraft

„Am Geld wird es nicht scheitern!“ Am Geld werden Kulturprojekte mit Strahlkraft in Fröndenberg nicht scheitern. Das klingt nach „Geld spielt keine Rolle“ und verwundert ein wenig in einer Stadt, die gerade eine satte Grundsteuererhöhung plant und in der vorläufigen Haushaltsführung steckt.

Den irritierenden Satz schrieb und sagte Fröndenbergs SPD-Vorsitzender Martin Streich und sorgte schon beim Neujahrsempfang für erstauntes Stirnrunzeln – CDU-Vertreter sagten später, sie hätten schon durchaus gestutzt bei diesen unerwarteten Worten, doch als Gast bei einem Empfang „Einspruch!“ zu rufen oder gar ein Diskussionsfass aufzumachen gehöre sich nicht.

Am Wochenende stellten wir diesen Satz anlässlich des immer noch strittigen Haushalts in der größten Fröndenberger Facebookgruppe zur Diskussion. Dort erzeugte er heftige Reaktionen.

Wie kann Fröndenbergs SPD mitten in der Grundsteuerdebatte und der vorläufigen Haushaltsführung verkünden, dass ausgerechnet ein Luxusgut wie „Renommee-Kultur“ nicht am Geld scheitern wird? „Wird“, nicht etwa „soll“ oder „darf“. Hat die SPD für Renommee-Kultur eine geheime Geldquelle entdeckt, kennt sie vielleicht einen wohlhabenden Mäzen? Heftig wurde spekuliert.

Dieses „ES“, das die SPD nicht am Geld scheitern lassen wird (der Satz mitsamt Rede steht weiterhin auf der Homepage des Stadtverbandes), ist eigentlich Luxus. „ES“ ist Kultur – Kultur mit Strahlkraft über Fröndenbergs Grenzen hinaus.  So etwas wie z. B.  der Lüpertz-Trichter im Himmelmannpark. Oder eine neue kühne Fassadengestaltung des Rathauses 2 – entworfen von einem Meisterschüler Markus Lüpertz´, dem selbst schon bekannten Patrick Lemke, ein Sohn Fröndenbergs.

„Hier hätte unsere Stadt die Möglichkeit, die Tradition des Meisters Lüpertz sozusagen fortzusetzen und mit der Fassadengestaltung das Rathaus 2 von einem Gebäude in der typischen langweiligen Architektur der 60er Jahre in ein künstlerisches Objekt zu verwandeln, das weit über Fröndenberg hinaus zur Bekanntheit unserer Stadt beitragen würde“, betont Martin Streich heute auf unsere Bitte um Stellungnahme.

In seiner ausführlichen Antwort schreibt der SPD-Vorsitzende:

„Von verschiedener Seite wurde ich auf den letzten Abschnitt meiner Begrüßungsansprache auf dem Jahresempfang der SPD angesprochen, in dem ich noch kurz auf das Projekt einer künstlerischen Gestaltung der Fassade des Rathauses II durch den bekannten Künstler Patrick Lemke Bezug genommen habe. Das war ja das Titelthema in der letzten Ausgabe des Fröndenberger „Ausblicks“, nachdem die im Arbeitskreis Tourismus nach einer vielbeachteten Ausstellung des Malers beim Kunstverein Fröndenberg geborene Idee zu konkreten Entwürfen geführt hatte, die dann im Kulturausschuss durch den Künstler selbst vorgestellt worden waren.

In der Vorbemerkung zu dem betreffenden Abschnitt habe ich angemerkt, dass mein Statement meine ganz persönliche Sicht wiedergibt, ich weiß aber, dass ich damit keineswegs allein dastehe.

Worum geht es dabei aber eigentlich?

Bekanntlich ist unser schönes Fröndenberg nicht gerade reich zu nennen. Gerade die landschaftlich schöne  Lage zwischen dem Südhang des Haarstrangs und der Ruhr macht es zwar reizvoll, hier zu leben, ist aber auch mit Ursache für die schwierige Lage in unserem Stadtsäckel: Wasserschutzzonen führen in weiten Bereichen des Stadtgebietes zu Auflagen, die eine Gewerbeansiedlung schwierig bis unmöglich machen, lediglich das so umstrittene Schürenfeld bietet da wohl eine letzte Möglichkeit.

(…)

In Vereinen und Initiativen, durch Aktive und Freiwillige ist ein gesellschaftliches Umfeld geschaffen worden, in dem man sich wohlfühlen kann. „Was hier in Fröndenberg an kulturellem Leben auf ehrenamtlicher Basis organisiert wird, das bekommen anderswo ganze Kulturämter hauptamtlich nicht auf die Beine gestellt“,  habe ich dazu in meiner Ansprache gesagt.  Wenn wir das alles aus dem städtischen Haushalt hätten finanzieren müssen, dann gäbe es in Fröndenberg kein Kettenschmiedemuseum, kein Heimatmuseum, keine Kulturschmiede, keine Stiftskonzerte, keine Musikschule, kein Schwimmbad Dellwig…

Wir müssen uns in Fröndenberg auch wirtschaftlich weiterentwickeln. Wir brauchen mehr Arbeitsplätze und Gewerbebetriebe.
Dazu müssen wir unsere Stadt attraktiver gestalten. Nicht nur für Touristen, sondern auch für uns selbst.

Deshalb finde nicht nur ich, wir dürfen uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen, durch einen international bekannten Künstler … ein optisches Highlight zu bekommen, das vielleicht nicht jedem gefällt – so ist das halt bei Kunst. Das aber in jedem Fall aber etwas sein wird, was wie die Kulturschmiede und der Fröndenberger Trichter unsere Stadt um eine besondere Attraktion  bereichert.

Und deshalb bin ich nach wie vor der Überzeugung: Wenn wir diese Chance für Fröndenberg nicht verpassen  wollen, dann werden wir das auch gemeinsam hinbekommen.“

Kommentare (2)

  • Mike

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    Hmm, also Fröndenberg wirtschaftlich weiterentwickeln aber Geld in Kunst stecken die anscheinend nur einigen Wenigen gefällt aber der Wirtschaft nichts bringt ? Fröndenberg soll attraktiver für die Fröndenberger werden, da sind faire Grundsteuer ein ganz entscheidender Punkt genau wie auch für die Wirtschaftlichkeit bzw. die Ansiedelung.

    Erinnert irgendwie an die Kröpcke-Sonne:
    http://www.stern.de/tv/steuerverschwendung–so-verpulvert-der-staat-unser-geld-6484994.html

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  • Stefanus Maxus via Facebook

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    Nach der Touristinfo die gerade dann nicht geöffnet hat, wenn Touristen am WOCHENDE oder an FEIERTAGEN nach Fröndenberg kommen, nun ein weiteres Highlight! Kunst am Bau! Solange das Förderer privat sponsern, gerne. Aber nicht unsere Steuerknete dafür verknastern! Vorschlag: alle Grundsteuerzahler Fröndenbergs stimmen darüber ab, ich denke mal, das Ergebnis würde recht eindeutig ausfallen! Kulturschmiede/Kultur für uns und Kettenmuseum knappsen finanziell schon so vor sich hin, und da ist ja auf jeden Fall noch ein Mehrwert für Fröndenberg gegeben. Dann gebt das Geld lieber dafür aus!

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