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AfD-Protest in Menden: „Für Weltoffenheit“, gegen die „Alternative für Dumme“

Weniger bunte Regenschirme als erwartet, man zählt vor dem Alten Rathaus 5, dafür mehr Menschen als von vielen erwartet, man überschlägt und kommt auf ca. 200, 300.

Junge und ältere Bürger aus Menden, auch aus Fröndenberg angreist, durchmischt mit Antifa-Jugendlichen / jungen Erwachsenen, die Transparente hochhalten gegen die Alternative für Deutschland, weil diese Alternative aus Sicht der Gegner keine ist. „AfD – so 1933″ steht auf einem Plakat. „Nationalismus ist keine Lösung“, „Alternative für Dumme“ verkünden andere Transparente.

Momentaufnahme heute Abend in Unnas Nachbarstadt Menden, wo AfD-Prominenz in Person der Beatrix von Storch im Bürgersaal zu einer Veranstaltung erwartet wurde und ein Bündnis „Mendener Menschenkette gegen die AfD“ dagegen auf die Straße ging.

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Zur Menschenkette rund um den Bürgersaal war es um 18.45 Uhr noch nicht gekommen, die Kundgebung mit kleinen Ansprachen für ein weltoffenes Menden vor dem Alten Rathaus lief noch. Friedlich, doch von Polizeipräsenz flankiert.

Unter dem Zeltdach vor der Bürgerhalle ebenfalls sichtliches Polizeiaufgebot, gemischt mit weiteren Demonstranten, darunter erneut Antifa-Gruppierungen sowie eine Abordnung der Jusos mit leuchtend roten Fhnen. Im Eiscafé mit Blick auf den Alten Markt sitzt ein älteres Ehepaar, sie sagen, sie hätten zwar gewusst von „dieser Versammlung“ heute, aber nur deshalb wären sie nicht hergekommen, nein. „Gut, dass wir Meinungsfreiheit haben“, nicken sie, und er wiederholt – mahnend: „Gut, dass wir NOCH Meinungsfreiheit haben! Das ist ein hohes Gut!“

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Meinungsfreiheit und die Freiheit, zu gehen, wohin sie will, nämlich zum von Storch-Vortrag, reklamiert auch eine Frau mit Hund für sich. Mit stirnrunzelndem Blick auf den vollen Platz wendet sie sich in Richtung Bürgerhalle und sagt energisch: „Ich will mir diese Veranstaltung ansehen. Und ich WERDE mir diese Veranstaltung ansehen!“

Die Organisatoren der „Mendener Menschenkette“ haben zuvor in ihrer Ankündigung mehrfach versichert, sie wollten die AfD-Veranstaltung weder stören noch behindern, sie wollten Zeichen setzen, friedlich und kreativ. Bis ca. 19 Uhr ist das gelungen.

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Zuvor har eine kleine Gruppe AfD-Gegner allerdings die Ratssitzung gestürmt und den Mendener CDU-Bürgermeister Martin Wächter (CDU) als „Steigbügelhalter der Nationalisten“ bezeichnet. Fotografen draußen auf dem Platz, die mit etwas Größerem als einer Handykamera hantieren, werden argwöhnisch beobachtet und zur Rede gestellt. Wieso wir fotografieren, fragt unvermittelt hinter uns ein junger Mann aus dem linken Spektrum, er sagt, er habe gesehen, dass wir „Leute gezielt nah rangezoomt“ hätten und dass er das „Scheiße finde“, privat hin, Presse her. Wieso ist das Scheiße? Weil auf Fotos kenntliche Personen in Gefahr gebracht würden. Er meint: durch Übergriffe durch Rechtsradikale.

Da der junge Mann sich nicht austauschen möchte („ich will nicht mit Ihnen diskutieren“), endet dieser Wortwechsel ergebnisfrei. Eine junge Frau gibt uns noch lächelnd, aber mit drohendem Unterton mit, dass man sich im Leben immer zweimal sieht.


Die Bilanz der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis am Folgetag:

Die öffentliche Veranstaltung der AFD im Bürgersaal in Menden am 21.09.2016 sowie die zwei angemeldeten Gegenveranstaltungen sind aus polizeilicher Sicht friedlich verlaufen. Wie angemeldet wurde durch ca. 450 Veranstaltungsteilnehmer nach einer Kundgebung auf dem Alten Rathausplatz eine Menschenkette um den Bürgersaal gebildet. Zeitgleich trat dort die AFD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch auf, die vor etwa 120 Teilnehmern sprach. Trotz teilweiser lautstarker Proteste der Gegendemonstranten, konnten alle Veranstaltungen planmäßig durchgeführt werden. Nach der Abreise der Hauptrednerin der AFD gegen 21:25 Uhr verließen auch die letzten Teilnehmer der Gegendemo den Platz vor dem Rathaus.

 

Kommentare (6)

  • Dagobert

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    Im Ernst ? Fünf bunte Regenschirme ? 200-300 AfD-Gegner, die sich teilweise vermummen und Angst vor einer Kamera haben ? Und die groß angekündigte Menschenkette wird auch nicht zustande gebracht ? Will mir immer noch jemand erklären, dass die tapferen „Antifaschisten“ die Guten und Intelligenten sind ? Ich glaube, neben solche Leute würde ich mich nicht unbedingt stellen. Wäre mir eher peinlich.

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    • Silvia Rinke

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      Die Menschenkette war bis 18.45 Uhr nicht gebildet worden, Dagobert, ob später noch, werden wir später bei der Presse vor Ort eruieren.

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    • fürst

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      Dagobert, die von Dir angesprochene Peinlichkeit scheinen unterdessen auch viele Andere zu empfinden. Ich zähle dazu.

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  • Werner Maag

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    „Für Weltoffenheit – Gegen die AfD“ ?

    Zur Weltoffenheit schreibt Wikipedia:

    „Weltoffenheit ist ein Begriff aus der philosophischen Anthropologie. Er bezeichnet die Entbundenheit des Menschen von organischen Zwängen (Trieben) und seiner unmittelbaren Umwelt und betont seine Öffnung hin zu einer von ihm selbst hervorgebrachten kulturellen Welt. Hiermit geht einher, dass der Mensch ohne festgelegte Verhaltensmuster geboren wird und sich Verhaltenssicherheit in der Welt immer erst erwerben muss. Umgangssprachlich bezeichnet der Begriff eine Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen. So kann beispielsweise ein Mensch oder eine Gesellschaft weltoffen sein, man spricht etwa von einer „weltoffenen Stadt“.

    Demnach ist jedes Land durch täglichen Austausch weltoffen (Nordkorea vielleicht nicht). Schliesslich wird gereist, Waren, Kunst und Dienstleistungen werden verkauft und konsumiert, jede Form von Fremdkultur und Subkultur ist erlebbar und konsumierbar.

    Die Forderung nach einer Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen negiert allerdings die Erfahrungen vieler Menschen, daß nicht alle Kulturen gleichwertig oder gleich wünschenenswert sind. Und wenn man für andere Kulturen offen ist, wie steht man dann zur eigenen Kultur? Hält man die für erhaltenswert, achtet man sie? Welche Rolle spielt hier Tradition und Identität? Ja ist eine eigene Kultur ohne geographischen Bezug, gelebte Traditionen, Heimatgefühl und eigene gewachsene Werte überhaupt möglich? Lassen sich Kulturen beliebig verpflanzen, aufweichen, umplanen?

    Jeder sollte offen gegenüber anderen Kulturen sein und davon lernen. Es muss aber auch erlaubt sein zu sagen „Ich kann damit nichts anfangen und will es nicht – ich lehne diese oder jene Kultur ab.“

    Jemand, der die multikulturelle Gesellschaft ablehnt, kann sehr wohl offen für andere Kulturen sein, denn wenn man die eigene Kultur für bewahrenswert hält, bedeutet das auch dass man anderen Kulturen ihren Platz zugesteht. Ich finde nicht, dass sich das ausschliesst. Nimmt eine Gesellschaft Menschen aus fremden Kulturkreisen auf, dann würde ich erwarten, daß diese Menschen sich an unsere Kultur anpassen (sofern sie dazu überhaupt fähig sind) und mittelfristig darin aufgehen, ohne ihren eigenen Hintergrund zu vergessen. (Familientraditionen, Bräuche, Essen).

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    • fürst

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      Sehr fundiert und sicherlich zutreffend, Werner Maag.

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  • Mike

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    „Alternative für Dumme“, tja so schiesst man sich selber ins Aus, die AFD hat soviel Zulauf weile keiner der anderen etablierten Parteien eine Alternative bietet, die derzeitigen etablierten Parteinen haben einen Teil ihrer Wähler durch ihr Verhalten direkt in die AFD getrieben, so sieht es aus. Würde z.B. die SPD eine andere Linie als die CDU fahren gäbe es z.B. eine Wahlmöglichkeit, aktuelle ist es egal ob man SPD, CDU oder wen auch immer wählt, alles eine Suppe, das ist das Problem. Man hört den Bürgern und ihren Ängsten und Nöten nicht zu sondern macht Politik für die gehobenen Schichten, das ist nu die Quittung, da muss man nicht gegen die AFD demonstrieren sondern man sollte gegen SPD, CDU etc. demonstrieren, die haben die AFD erst gross gemacht mit ihrem Verhalten, anscheined hat selbst inzwischen die Kanzlerin mal erkannt, daß ihre Politik von vielen eben nicht akzeptiert wird.

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